Masken und Kostüme
Karneval, Fasching! Beides bedeutet dasselbe! Alljährlich wiederkehrendes lustiges Schellengeläut, das durch alle Lande zieht, die Menschheit zwingend zu Fröhlichkeit und Mummenschanz! – Kling, kling! Einmal im Jahre macht Euch eine kurze Zeit frei von Arbeit und Sorgen und rüstet Euch zu Lustigkeit und Scherz! Kling, kling, kling! Einmal wenigstens im Jahre enthüllt Euch zu längst entschwundener Kinderschönheit, werft den Panzer, mit dem das Leben im Kämpfen und Ringen Euch allmählich künstlich umschlossen hat, von Euch und besinnt Euch in harmlos-neckischer Kinderfröhlichkeit auf Euch selbst! Kling, kling, kling, kling! Hier bin ich, den man Prinz Karneval nennt; auf, auf, folgt mir in mein herrliches Reich, wo man nur Lust und Freude, Witz und Schelmenstreiche kennt! Sollen wir ihm wirklich folgen, dem lockenden Schalk? Ja, und tausendmal ja, wer nur irgend es kann, soll sich mitreißen lassen von dem Strudel allgemeiner Fröhlichkeit, soll wenigstens einmal im Jahre alle Leiden und Kümmernisse vergessen und – lustig, lustig sein! –
Die Maske und die Sitte des Maskentragens ist uralt und religiösen Ursprungs. Im Altertum bediente man sich der Maske, um Krankheiten, Seuchen und andere, die länger bedrohenden Gefahren zu bannen und zu verscheuchen. Indem man kostümierte, mit schreckenerregenden Gesichtsmasken versehene Menschen tanzend und singend im Lande umherziehen ließ, nahm man an, dass der drohende Dämon diese kostümierten Gestalten für mächtigere Wesen halten und vor ihnen „Reißaus“ nehmen werde. Später entwickelten sich diese religiösen Maskeraden ganz allmählich zu allgemeinen Volksbelustigungen, die sich schließlich unwillkürlich alljährlich immer nur eine kurze Zeit vor den Fasten abspielten. Man kann annehmen, dass die Menschen das Bedürfnis hatten, vor Eintritt in die strenge, ernste Fastenzeit noch einmal all ihren Übermut, der solange zurückgehalten werden musste, überschäumen zu lassen. Und so ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Mit dem 6. Januar (Fest Epiphania) beginnend, findet der eigentliche Karneval mit dem Aschermittwoch sein Ende, nachdem er in den meisten Gegenden in der Woche vor Aschermittwoch seinen Höhepunkt erreicht hatte. Schon im 15. Jahrhundert und später noch oftmals haben Kirche und Staat gegen das Karnevalstreiben geeifert und gekämpft, aber immer vergebens; das Volk war stärker und hat seine uralten Rechte auf dieses Fest bis heute zu behaupten verstanden. Der echte, richtige Karneval spielte sich von jeher auf den Straßen ab. In Italien, Spanien und später auch in Deutschland, besonders in München und Köln, sieht man zur Zeit des Karnevals in der Straßen viel kostümierte und maskierte Gestalten, die unter dem Zeichen der so genannten „Maskenfreiheit“ ihre mehr oder weniger geistreichen Scherze treiben. Je heißblütiger und leichtbeschwingter der Menschenschlag, desto köstlicher und freier der Karneval! So erklärt es sich, dass dem Norden zu dem ursprünglichen Karneval sich mehr und mehr verliert oder sich doch wenigstens zurückzieht in geschlossene Räume, wie es z. B. bei uns im nördlichen Deutschland geschehen ist. Hier haben die Karnevalsfeste allmählich noch mehr von ihrer ursprünglichen Eigentümlichkeit eingebüßt, indem unter Beibehaltung der Kostümierung mehr und mehr die überaus lästige Gesichtsmaske verschwand und sich die so genannten Kostümfeste entwickelten, denen man vielfach gern ein einheitliches Gepräge gibt. Man arrangiert Alpenfeste, Gesindebälle usw., oder man beschwört ein längst vergangenes Jahrhundert für einen Karnevalsabend noch einmal herauf oder dergleichen mehr. Ob Masken- oder Kostümfest, immer muss der Besucher bemüht sein, sein Bestes zu geben, um das Fest nach Möglichkeit verschönern zu helfen. Dazu ist in erster Linie nötig, dass man sich seinem Charakter und Wesen entsprechend kleidet, denn so wie man sich kleidet, muss man sich beim Feste auch geben. Es wäre lächerlich und die allgemeine Fröhlichkeit hemmend, wenn sich z. B. ein von Herzen stiller und in sich gekehrter Mensch als Clown verkleidete und in seinem lustigen Kostüm sich dann still und ängstlich herumdrückte, anstatt Purzelbäume zu schlagen und Zirkuswitze zu machen. Es gibt auch für jede Wesensart geeignete Kostüme, auch in diesem Buch, es gilt nur, das Richtige auszuwählen und die ausgesuchte Rolle gut durchzuführen. Nur im richtigen Kostüm kommt auch die richtige Lust und Freude, die Meister Karneval von uns verlangen muss und kann.
