Verse fürs Poesiealbum - 2. Teil
Zehn weitere Stembuchverse aus den Anfängen des letzten bzw. dem Ende des vorletzten Jahrhunderts. Die Verse stammen u.a. von Marie Beeg, Schiller, Auerbach und Gottfried Keller und eignen sich zum Basteln von Karten und Scrapbooks, für Minicollagen wie ATCs, Inchies und Twinchies, und natürlich als Verse fürs Poesiealbum oder Freundschaftsbuch.
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Und stürmt es was es stürmen mag,
Und schneit es ohne Ende,
Es kam herauf der Siegestag
Der Wintersonnenwende
Zu Schaden ward des Feindes List,
Es siegt der Gott der Sonne,
Nennt ihn getrost den heil'gen Christ,
Den Spender aller Wonne.
Die Finsternis, des Bösen Wort,
Die muss vor ihm zerstieben,
Sein Schwert heißt Wahrheit, und sein Wort
Ist Glauben, Hoffen, Lieben!
Er sinnet Glück und sein Begehr
Ist Frieden zu bescheren,
Der Frühling zieht mit ihm daher,
Dem Könige der Ehren.
So windet denn den Fichtenkranz
Und füllt die Opferschalen
Und lasst den Weihnachtslichterglanz
In alle Herzen strahlen.
Und komme, was nun kommen mag:
Das Dunkel geht zu Ende,
Drum feiert, feiert froh den Tag
Der Wintersonnenwende.
Schulte vom Brühl
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Du weintest einst, als du die Welt begrüßt,
Doch Aller Lächeln grüßte Dein Erscheinen;
Gott gebe, dass, wenn Du die Augen schließt,
Dein Antlitz lächle, während alle weinen.
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Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen,
Verricht' das Deine nur getreu,
Und trau' des Himmels reichstem Segen,
So wird er bei Dir werden neu;
Denn wer nur seine Zuversicht
Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.
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Willst Du, o Herz, ein heit'res Ziel erreichen,
Musst Du in eigner Angel schwebend ruh'n;
Ein Thor versucht zu gehn in fremden Schuh'n,
Nur mit sich selbst kann sich der Mann vergleichen!
Ein Thor, der aus des Nachbars Bubenstreichen
Sich Trost nimmt für das eigne schwache Thun,
Der immer um sich späht und lauscht und nun
Sich seinen Wert bestimmt nach falschen Zeichen!
Thu' frei und offen, was Du nicht kannst lassen,
Doch wandle streng auf selbst beschränkten Wegen
Und lerne früh nur D e i n e Fehler hassen!
Dann gehe mild den anderen entgegegen;
kannst Du Dich selbst nur fest zusammenfassen,
So hängt an Deine Schritte sich der Segen.
Gottfried Keller
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Ein getreues Herz zu wissen,
Ist des höchsten Schatzes Preis.
Der ist selig zu begrüßen,
Der ein treues Herze weiß.
Mir ist wohl beim höchsten Schmerz,
Denn ich weiß ein treues Herz.
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Im Herzen fröhlich, im Sinnen ehrlich,
Im Reden züchtig, in Taten tüchtig,
Auf Gott vertrauen und selber schauen:
Das sind die Waffen, die Frieden schaffen.
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Wer offen Dir die Fehler sagt,
Ob es Dich auch verletzt,
Nicht schmeichelt oder wie's behagt,
Die Worte sorgsam setzt,
Der ist führwahr weit mehr Dein Freund,
Als der, der schmeichelnd stets erscheint.
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Pflege die Blume der Freundschaft sorglich mit liebenden Händen,
Leichtlich welket sie Dir, läßt Du sie achtlos erblüh'n.
Ach! Und die Freuden, die edlen, die solche Blumen Dir spenden,
Schätzest Du leicht erst zu spät, wenn ihre Blüte dahin.
Marie Beeg
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Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen,
Und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n;
Doch fürchte nichts! Es giebt noch schöne Herzen,
Die für das Hohe, Herrliche erglüh'n.
Schiller
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Wer keine Freunde an der Welt hat, an dem hat die Welt auch keine Freude.
Auerbach
