Verse fürs Poesiealbum - 5 Teil
Nachdenkliche Verse fürs Poesiealbum, fürs Karten basteln, für Scrapbooking und ATCs. Und natürlich kann man diese Verse auch bei vielen anderen Basteltechniken unterbringen - nämlich immer dann, wenn es einen schönen Spruch braucht. Diesmal sind u.a. Verse und Gedichte von Goethe, Endrulat, Blüthgen und Blumenthal dabei - dazu noch Verse unbekannten Ursprungs.
Draußen nicht im wildbewegten Leben,
Wo die Menschheit auf und niederwallt,
Wo der Lebensmarkt von tausend Stimmen
Wirr und gellend täglich widerhallt,
Draußen nicht wirst Du die Kränze finden,
Die der Erde reinstes Glück verleih'n;
Denn in jenem bunten Weltgedränge
Kann das Schöne nimmermehr gedeih'n.
Weißt Du, wo die lichten Blumen blühen,
Die da bilden unsres Lebens Kranz?
Weißt Du, wo der Tau sie lieblich tränket,
Wo sie duften in der Sonne Glanz?
Nur Dein Haus, Dein Haus nur ist der Boden,
Nur in ihm das milde, weiche Land,
Das sie fröhlich keimen läßt und wachsen,
Das zum Kranz sie bietet Deiner Hand.
Blüh'n sie da nicht, suchst du sie vergebens,
Friede, Liebe, Treue, Ruhe, Glück;
Ach! Dann wirst Du nirgendwo sie finden,
Läufst danach und kommst doch leer zurück.
Mag manch' Traumbild farbig Dich umgaukeln,
Mag wie Feuer Dich der Wahn umglüh'n:
Sonnig doch ist's nicht in Deinem Herzen,
Steht Dein Haus nicht rein und frisch und grün.
***
Zwei Bücher sind dir aufgetan,
Die Liebe Gottes zu zeigen an:
Es ist die Bibel und die Natur;
In beiden erkennst Du die göttliche Spur -
In Wort und Tat, in Geist und Sinn.
Schlag' auf und lies recht fleißig drin!
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Zwischen starrenden Gletscherwänden,
Zwischen Felsen und Talgeländen,
Nirgends klaffen so tiefe Spalten,
Wie zwischen Versprechen, Geben und Halten.
Oskar Blumenthal
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O heischt nicht, daß man kühl und achtsam
im Grenzbild seiner Kräfte lebt
und daß man niemals unbedachtsam
das eigene Können überstrebt.
Der Selbstvergrößerung Rausch und Wonne
erhält lebendig mich und dich -
denn jeder braucht wie Luft und Sonne,
den Aberglauben an sein Ich.
Oskar Blumenthal
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Das ist ein häßliches Gebrechen,
wenn Menschen wie die Bücher sprechen.
Doch reich und fruchtbar sind für jeden
die Bücher, die wie Menschen reden!
Der satte Reichtum hat’s ausgemacht,
dass Armut niemandem Schande macht.
Die Schlemmer lehren am vollen Tisch,
wie Salz und Brot hält die Wangen frisch.
Die Tauben gurren vom Dachesrand:
„Nehmt lieber den Sperling in die Hand!“ …
Und die Dummen fassten den Mehrheitsbeschluss,
dass stets der Klügere nachgeben muss.
Bei Opern macht oft gleichen Kummer
Das Tonwerk wie das Textgedicht:
Die Dichtung reizt die Lust zum Schlummer,
Doch die Musik erlaubt ihn nicht.
Wer immer nach dem Nutzen strebt,
Der glaubt wohl, dass er ewig lebt,
Sonst würd' er vor der Frage stutzen:
Am letzten Tag, wo bleibt der Nutzen?
Oskar Blumenthal
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Das Leben, Freund, misst nicht nach Tag und Nacht,
Misst, wie ein Buch, nach dem was d'rin zu lesen:
Je mehr Du hast erlebt, gefühlt, gedacht,
Je länger ist dein Erdenpfad gewesen.
Victor Blüthgen
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Es blüht ein schönes Blümchen auf unserer grünen Au,
Sein Aug' ist wie der Himmel, so heiter und so blau.
Es weiß nicht viel zu reden, und alles, was es spricht,
Ist immerdar dasselbe, ist nur: Vergissmeinnicht!
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Die Religion ist die Wurzel des menschlichen Daseins.
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Wenn Du im Leib und nach Mitleid bangst,
Geh' in den grünen Wald;
Der Trost, nach dem Du heiß verlangst,
Gieb acht, er wird dir bald!
Mit tausend Augen, tief und lind,
Blickt die Natur Dich an,
So treu wie nur ihr liebstes Kind
Die beste Mutter kann!
Von Menschen kommt die Not und Pein,
Die Welt hat Trug und List,
So flüchte dich, wo Du allein
Mit Gottes Liebe bist!
Da schmilzt das starrste Erdenleid,
Ach, alles, was Dich klränkt,
Im Flammengruß der Herrlichkeit,
Die Er Dir täglich schenkt.
Endrulat
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Lass der Sonne Glanz verschwinden,
Wenn es in der Seele tagt,
Wir im eignen Herzen finden,
Was die ganze Welt versagt.
Goethe
